Anekdote von Rainer Thiel

Im Kriegsjahr 1916 (1. Weltkrieg) waren in Mudenbach zwei russische Kriegsgefangene, hinzu kamen dann noch weitere 11 engl. Gefangene. Diese Kriegsgefangene waren in der großen Scheune bei Höllersch untergebracht und mussten abends dort wieder erscheinen. Sie wurden aufgeteilt als Erntehelfer bzw. allgemeine Hilfskraft bei den Bauern des Dorfes.
Einer von diesen engl. Gefangenen, Cornelius O' Leary, aus der Grafschaft Kent, war bei meinen Großeltern Luise und Karl-Wilhelm Thiel als Helfer tätig, weil mein Großvater Karl-Wilhelm selbst im Kriegsdienst war.
Besagter Cornelius besuchte unsere Familie 1955 mit seiner Frau Kitty. Es war nicht nur für uns Thiels sondern auch für viele im Dorf eine große Sache. Er hielt für fast alle von unserer Familie ein großes Geschenk bereit, was vor allem in dieser armen Zeit nach dem 2. Weltkrieg eine schöne Geste war und mit Dank angenommen wurde.
Cornelius sprach ein annehmbares Deutsch mit typischem, englischen Akzent, seine Frau Kitty jedoch nur bescheiden wenig.
Dieser typisch englische Gentlemen bedankte sich auf diese Art für die gute Behandlung in unserer Familie. Nach Aussagen meiner Oma hatte er wie jeder andere auch seinen Platz am Tisch beim Essen, aber auch in der "guten Stube" (der Kammer), die meist nur sonntags benutzt wurde. Er wurde wohl wie ein weiteres Familienmitglied behandelt. Drei Jahre später, 1958, waren die beiden - Cornelius und Kitty - wiederum unsere Gäste, mit dem gleichen Erfolg wie zuvor.
So wurden 1916 trotz des Krieges freundschaftliche Bande geknüpft, sonst hätten diese Besuche wohl nie stattgefunden. Man zeigte Achtung voreinander - was wieder einmal beweist, dass die Menschen sehr gut ohne Krieg auskommen.


Übersetzung des Berichtes (Auszug) aus der Schulchronik von 1916:


Bisher waren zwei Gefangene in unserem Ort. Es waren Russen. Nun haben wir hier 11 englische Gefangene. In dem Hause des Kaufmannes Höller (neben der Schule) sind sie untergebracht. Sie arbeiten bei den Leuten.

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