Der 1. Weltkrieg

Hier versuche ich einen geschichtlichen Rückblick auf diese Zeit zu geben. Zur Verfügung stehen mir auch einige Fotos von Mudenbacher Bürger und Dokumente in diesem Zusammenhang.

Was geschah damals?

1. Fast alle Staaten Europas rüsteten militärisch ab der Jahrhundertwende stark auf, besonders auch Deutschland. Hier fanden sich viele Unterstützer des Glaubens an eine europäische Supermacht. Neben den militärischen Lenkern wie Moltke, Hindenburg und Ludendorff war es Kaiser Wilhelm der II., der den Oberbefehl über die Heeresleitung hatte und einer der kräftigen Säbelrassler war. Dank der explodierenden Industrialisierung konnten Unmengen an Waffen produziert werden. Hinzu kam die steigende Bevölkerungszahl, die für den menschlichen Nachschub an „Kanonenfutter“ sorgte. Eine weitere Idee hatte sich in den Köpfen festgesetzt. Das war der Griff nach Land im Osten. Um einer russischen Invasion zuvorzukommen, wurde ein Angriff auf Russland geplant. Es ging dabei auch um die Eroberung der russ. Ölfelder, die Kornkammer der Ukraine und deren Bodenschätze wie Kohle und Erz.
Eine weitere vertrackte Situation war die Zusage zur „Bruderhilfe“ von Kaiser und Regierung an die Österreich-Ungarische Monarchie, die auch für Konfliktfälle gelten sollte.

2. Am 28. Juni 1914 geschah das Attentat auf den österr. Thronfolger Franz Ferdinand und dessen Frau Sofie in Sarajewo, Serbien. Ein 19-jähriger Schüler erschießt beide bei einem Besuch. Damit sollte gegen die Vereinnahmung Serbiens in die k. u k. – Monarchie demonstriert werden. Beide werden bei diesem Attentat tödlich verletzt, der Attentäter unmittelbar danach festgenommen. Er stirbt übrigens 1918 an den Folgen der Haftbedingungen.

3. Österreich-Ungarn stellt daraufhin den Serben nicht einzuhaltende Forderungen und erklärt ihnen daraufhin den Krieg, in den Deutschland durch den zögerlichen Reichskanzler Bethmann-Hollweg einwilligt, auch vor dem Hintergrund, dass es ein großer Krieg werden könnte.

4. Am 1. August 1914 erfolgte die Mobilmachung in Deutschland. Anfang August erfolgten die deutsche Kriegserklärungen an Russland, Frankreich und die britische an Deutschland, weil deutsche Truppen die Neutralität Belgiens hochgradig verletzt hatten. Nun konnte auch der Kaiser sein Lieblingspielzeug, die Marine, in Bewegung setzen. Aber bereits in den ersten Kriegsmonaten war die britische Seeblockade mitentscheidend für die Niederlage und Kapitulation Deutschlands. Alleine dadurch verhungerten oder starben an den Folgen der Mangelernährung in Deutschland ab ca. Ende 1915 bis 1919 fast 800 000 Menschen, meist Kinder, Kranke und Alte.


Die Schlacht um Verdun 1916 dauerte etwa 10 Monate. In dieser Zeit sind nach einigen Quellen mind. je 120 000 Soldaten auf beiden Seiten unter den schrecklichen Bedingungen des Stellungskrieges gestorben. Zudem kam dann noch der Einsatz von Gas, das von beiden Seiten eingesetzt wurde. Hierbei starben mind. 40 000 Soldaten auf jeder Seite, über 80 000 erblindeten oder verätzten ihre Haut und Lungen.


Wie nebensächlich die Heeresleitung das Leben ihrer Soldaten schätzte, kann man an der Verwendung von Stahlhelmen ermessen. Diese wurden erst 1916 auf Drängen der einfachen Soldaten angeschafft. Ab dann nahmen auch die schweren Kopfverletzungen ab.

5. Das Ende bahnte sich an, als die USA im April 1917 in der Krieg eintraten, nachdem Deutschland den „bedingungslosen U-Bootkrieg“ erklärte. Mehr als 2 Millionen Amerikaner kommen bei diesem Krieg zum Einsatz. Auf vielen Fronten kämpfend kommt dann das Ende der Kriegshandlungen immer näher. Hinzu kam der Hunger im eigenen Land. Die Todesnachrichten von Angehörigen zu Hause demoralisierte die Truppe zunehmend. Matrosen probten erst einen kleinen, dann einen organisierten Aufstand gegen die Heeresleitung.


Hier begann auch bereits die Legende vom "Dolchstoß". Die Oberste Heeresleitung wies sämtliche Schuld an einer Niederlage von sich und gab diese weiter an das Volk zu Hause, die das Heer nicht genügend unterstützte und ihm somit einen Dolchstoß von hinten gegeben hätten.
Wie soll man so ein Vorgehen nennen? Obwohl viele große und völlig falsche Entscheidungen von den Heerführern getroffen wurden, zogen sie sich ohne Schuldbekenntnis ins Privatleben zurück. Zudem beschimpfte der Kaiser sein Volk noch als "Schweinebande", siehe weiter unten.

6. Über 15 Millionen Tote hatte dieser Krieg gekostet, dazu etwa 50 Millionen Verwundete Soldaten - Krüppel an Körper, Geist und Seele, hinzu kommt die Not und das große Leid der Angehörigen.
Die größten Zerstörungen in diesem Weltkrieg hatte Frankreich, der als „Urkatastrophe“ bezeichnet wird, zu ertragen. Über 4000 Ortschaften wurden zerstört, 20 000 Fabrikanlagen demontiert oder zerstört, Bergwerke geflutet. Das sind nur Zahlen.
Im neutralen Belgien betrug die Arbeitslosigkeit ca. 80%, weil die Deutschen fast alle Industrieanlagen demontiert und weggeschafft hatten. Etwa 20 000 Belgier wurden während des Krieges zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt.
In Deutschland dagegen waren keine oder fast keine Zerstörungen zu beklagen, da der Krieg ausnahmslos in anderen Ländern stattfand.

7. Am 11. November 1918 wurde ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, das einer bedingungslosen Kapitulation gleich kam. Auch dieses wurde von der Heeresleitung abgelehnt und damit in grenzenloser Feigheit den Politikern der Schwarze Peter zugesteckt.


Die Reparationen wurden besonders auf Drängen des franz. Kriegsminister Clemenceau als entschiedener Gegner Deutschlands sehr hoch festgelegt. Er verleibte sich das Saarland und Elsass-Lothringen wieder in die französischen Grenzen ein und besetzte die Gebiete westlich des Rheins. Dort beuteten sie die Erzvorkommen und Kohlegruben bis Mai 1930 aus. Dies alles zusammen mit den unbezahlbaren Reparationen waren die Brutstätte für den beginnenden deutschen Nationalsozialismus. Die Nazis hatten leichtes Spiel. Es gab genug Angriffsfläche gegen die ehemaligen Kriegsgegner, die weidlich ausgenutzt wurden – mit den bekannten Resultaten des 2. Weltkrieges.

8. Abdanken musste der säbelrasselnde Kaiser Wilhelm II. auf Drängen seines Umfeldes im November 1918. Er setzte sich in die Niederlande ab und entkam somit auch jeglicher Verantwortung für den Krieg, für die Not und das Leid seiner Untertanen, von denen er viele zigtausende per Unterschrift in den Tod schickte. Er lebte in Doorn, in der Nähe von Utrecht, bis zu seinem Tod im Juni 1941.

 

Aus seiner Unterkunft in den Niederlanden beschimpfte er das (sein) deutsches Volk als "Schweinebande" und "Saurepublik", wohl, weil die Marine meuterte und sich nicht in den sicheren Tod schicken ließ zum "Todeskampf".

 

Ähnlich äußerten sich auch andere Herrscher vor ihm und nach ihm. So z. B. Hitler, der in etwa dies sagte:"Wenn der Krieg verloren geht, geht auch das deutsche Volk unter. Es sind sowieso nur noch die Minderwertigen übrig, alle anderen sind gefallen." Daraufhin kam dann sein sog. "Nero-Befehl", wonach alles im eigenen Land zerstört werden musste, was evtl. dem Feind nutzlich wäre, d. h. alle Verkehrs-, Industrie- und Versorgungsanlagen. Somit entzog dieser Befehl dem Volk jegliche lebenswichtige Grundlagen.

 

Zum Glück wurde dieser Befehl nicht überall befolgt.



Mudenbach im 1. Weltkrieg

Im folgenden sind Dokumente und Fotos aus dieser Kriegszeit 1914 – 1918 aufgeführt.

 

 

Dokumente und Fotos - Familie Schmidt

 

Folgende Dokumente und Fotos wurden von Irene Ehlgen zur Verfügung gestellt. Zwei ihrer Onkel sind in diesem Krieg gefallen. Otto Schmidt, Lehrer in Höchstenbach, im Jahr 1915 und Julius Schmidt 1918. Überlebt hat diesen Krieg als Soldat ihr Onkel Karl Schmidt, der später 28 Jahr von 1917 bis 1945 Bürgermeister in Mudenbach war und auch auf den Fotos zu sehen ist.

 

 

 

 

 

Private Dokumente und Fotos zum 1. Weltkrieg

 

Private Dokumente und Fotos von Mudenbacher Soldaten aus der Zeit des 1. Weltkrieges wurden mir für unsere Homepage zur Verfügung gestellt.

 

Dafür möchte ich mich besonders bedanken bei:

 

Irene Ehlgen, Werner Eckenbach, Helmut Jung und Ingrid Henn. Auch in meiner Familie (Rainer Thiel) gab es ein paar Fotos von meinem Großvater Karl Wilhelm Thiel.

 

 

 

 

Anekdote von Rainer Thiel - engl. Kriegsgefangener bei Fam. Thiel (Schötz)

 

Im Kriegsjahr 1916 (1. Weltkrieg) waren in Mudenbach zwei russische Kriegsgefangene, hinzu kamen dann noch weitere 11 engl. Gefangene. Diese Kriegsgefangene waren in der großen Scheune bei Höllersch (siehe auch alte Fotos) untergebracht und mussten abends dort wieder erscheinen. Sie wurden aufgeteilt als Erntehelfer bzw. allgemeine Hilfskraft bei den Bauern des Dorfes.
Einer von diesen engl. Gefangenen, Cornelius O' Leary, aus der Grafschaft Kent, war bei meinen Großeltern Luise und Karl-Wilhelm Thiel als Helfer in der Landwirtschaft tätig, weil mein Großvater Karl-Wilhelm selbst im Kriegsdienst war. Zeitweise hatte Cornelius auch eine Unterkunft im Hause Thiel.
Besagter Cornelius besuchte unsere Familie 1955 mit seiner Frau Kitty. Es war nicht nur für uns Thiels sondern auch für viele andere im Dorf eine große Sache. Er hielt für fast alle von unserer Familie ein großes Geschenk bereit, was vor allem in dieser armen Zeit nach dem 2. Weltkrieg eine schöne Geste war und mit Dank angenommen wurde.
Cornelius sprach ein annehmbares Deutsch mit typischem, englischen Akzent, seine Frau Kitty jedoch nur bescheiden wenig. Nach seinen Angaben würde es den Westdeutschen aber im allegemeinen besser gehen, als seinen englischen Landsleuten, die zu dieser Zeit immer noch Lebensmittel auf Kartenzuteilung erhalten würden. (Dieses habe ich aber bis jetzt noch nicht recherchiert).
Dieser typisch englische Gentlemen, zu Kriegszeiten im Range eines Leutnants, bedankte sich auf diese Art für die gute Behandlung in unserer Familie. Nach Aussagen meiner Oma hatte er wie jeder andere auch seinen Platz am Tisch beim Essen, aber auch in der "guten Stube" (der Kammer), die meist nur sonntags benutzt wurde. Er wurde wohl wie ein weiteres Familienmitglied behandelt. Drei Jahre später, 1958, waren die beiden - Cornelius und Kitty - wiederum unsere Gäste, mit dem gleichen Erfolg wie zuvor, ebenso im Jahr 1962.
So wurden 1916 trotz des Krieges freundschaftliche Bande geknüpft, sonst hätten diese Besuche wohl nie stattgefunden. Man zeigte Achtung voreinander - was wieder einmal beweist, dass die Menschen sehr gut ohne Krieg auskommen.


Übersetzung des Berichtes (Auszug) aus der Schulchronik von 1916:


Bisher waren zwei Gefangene in unserem Ort. Es waren Russen. Nun haben wir hier 11 englische Gefangene. In dem Hause des Kaufmannes Höller (neben der Schule) sind sie untergebracht. Sie arbeiten bei den Leuten.

 

 

Artikel in der Rhein-Zeitung

und im RZ-Buch "So war das damals"

 

Diesen Artikel hatte ich im Oktober 2014 zur Veröffentlichung zur Rhein-Zeitung gesendet. Am 30.05.2015 wurde er veröffentlicht. Später wurde er in einem Buch veröffentlicht, das mir und den anderen 49 Autoren dann im November 2015 im Druckhaus der Rhein-Zeitung überreicht wurde. Neben einem angenehmen Abend wurde uns auch die Gelegenheit gegeben, an einer Führung durch die neue Druckerei teilzunehmen, was eine sehr interessante Sache war.

 

In der (fast vollautomatischen) Druckerei wurde auch ein Foto gemacht mit allen Autoren, die mit einem Artikel im Buch veröffentlicht wurden.

 

 

 

 

 

Mudenbachs Lehrer Leister 1915 gefallen

 

Neben den Mudenbacher Otto Schmidt, Lehrer in Höchstenbach, ein Bruder von Ex-Bürgermeister Ernst Schmidt und Altbürgermeister Karl Schmidt, der im Jahr 1915 fiel, traf es auch den in der Mudenbacher Volksschule tätigen Lehrer Leister, der seinen schweren Verwundungen in einem Feldlazarett in Frankreich erlag. Hier gebe ich seine Dokumente, zum Teil aus der alten Schulchronik, wieder.

 

 

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