Jubiläum - 150 Jahre Gasthaus Christian - 2011

Die "Heims" - Chronik

 

150 Jahre Gasthaus Christian - ein stolzes Jubiläum

 

Das Gasthaus Christian, auch Gasthaus zur Linde - in Mudenbach einfach "Heims" genannt, feiert  2011 sein 150-jähriges Bestehen.

Die Chronik dieses in Familientradition geführte "Unternehmens" wurde von unserem ehemaligen Bürgermeister und Nachbar der "Heims" - Ernst Schmidt - schriftlich festgehalten. Seine Mutter stammte aus dem "Heims-Haus". Mit seinem kurzgefassten Bericht möchte ich die "Heims" - Chronik beginnen.

Bedanken möchte ich mich an dieser Stelle bei Marion Schumacher, die den Text ihres Großvaters Ernst Schmidt internettauglich vorbereitete.

 

Die "Heims"

 

"Unsere Mutter, Wilhelmine Schmidt, geb. Christian stammte aus dem Nachbarhaus, der jetzigen Gaststätte Christian, wo sie am 9. März 1865 geboren war und auch dort ihre Kindheit und Jugend verlebte. Als sie 5 Jahre alt war – so erzählte sie uns – war an der hiesigen Schule ein Lehrer mit Namen Hermann tätig. Dieser junge, tüchtige Lehrer war unverheiratet und ging in die Gaststätte Christian zur Kost. Hier lernte er das aufgeschlossene Kind „Minchen“ kennen. In seinem Frankfurter Dialekt sagte er zu der Gastwirtin: „Frau Christian, kaufe se der Minchen eine Tafel und ich nehme sie mit zur Schule“. Das wurde auch gemacht und das kleine Minchen ging mit zum Schulunterricht. Als dann die Schulentlassung heranstand, hieß es, dass sie nur mit ihrem Geburtsjahrgang aus der Schule entlassen werden könnte. So kam es, dass unsere Mutter 9 Jahre die Mudenbacher Volksschule besucht hatte.

 

Gerne erzählte Mutter von ihrem Elternhaus – an dem sie mit großer Liebe hing – und ebenso von ihren Vorfahren.
Die Großeltern mütterlicherseits waren die Eheleute Johannes Peter Wolf und Christine geb. Bender. Diese Eheleute errichteten etwa um die Jahre 1840 eine so genannte Schankwirtschaft. Hier wurden zunächst Branntwein und Tabak verkauft, später vielleicht auch Flaschenbier. Ihren Großvater schilderte Mutter als einen guten, aber energischen und temperamentvollen Mann, der in seinem Lokal keinen Streit aufkommen ließ. Er wurde im vorgerückten Alter aus einem unerfindlichen Grund im Dorfe der „alte Heim“ genannt. So erhielt die Gaststätte den Hausnamen „Heims“ – eine Bezeichnung, die heute noch so üblich ist.

 

Aus dieser Ehe Wolf entstammte u. a. Wilhemine.

Sie war das älteste der Kinder. Im Jahre 1864 heiratete sie den Landwirt Heinrich Christian. Dieser stammte aus einem Nachbarhaus (jetzt Schäfers) und heiratete in das Haus seiner Ehefrau – der Gaststätte Wolf. Die jungen Eheleute übernahmen dann das Anwesen. So kam dann zum ersten Male der Name Christian als Eigentümer in der ersten Generation in das heutige Gasthaus Christian. Von ihrem Vater sprach unsere Mutter mit einer großen Liebe, ja Ehrfurcht. Er war ein aufrechter, korrekter und rechtschaffener Mann, dazu ein für die damalige Zeit sehr fortschrittlicher und rationell denkender Landwirt. Besonders stolz war er auf seine Militärzeit beim 1. Nass. Infanterieregiment in Wiesbaden, wo er rechter Flügelmann seiner Kompanie gewesen war. Leider war er im besten Mannesalter verstorben. Die Mutter war eine kluge, zielbewusste Haus- und ebenso gute Gastwirtsfrau.

Besonders zwischen den Geschwistern aus dem Hause Christian bestand eine vorbildliche Verbundenheit. An allen Neuerungen, die in Haus und Hof überall eintraten, wurde gegenseitig Rat und Tat eingeholt. Meine Geschwister wissen sich alle gut daran zu erinnern, dass wenn unsere Mutter einmal Brot oder Kuchen gebacken hatte, einige Stücke dem „ Heims Paten „ gebracht werden mussten. Aber auch der Heims Paten stand bei all unseren Geschwistern in hoher Achtung, hatten er und seine Frau – die Heims Göte – doch alle unsere Geschwister im Wechsel aus der Taufe gehoben.

 

Der Bruder unserer Mutter, der Landwirt Wilhelm Christian, übernahm nach seiner Verheiratung mit Magdalene, geb. Schneider aus Mudenbach, ( Haus „Lottches“ ) im Oberdorf gelegen, das elterliche Anwesen mit der Gastwirtschaft – damit in der zweiten Generation namens Christian. Er legte im Jahre 1903 das alte Wohngebäude nieder und errichtete an der gleichen Stelle einen Neubau in massiver Bauweise, die in ihrem Umfange heute noch besteht. Nach dem Neubau erlebte der Gastbetrieb natürlich einen erheblichen Aufschwung, insbesondere, als der Inhaber wie auch seine Frau als Gastwirte stets korrekt und beliebt, als Menschen stets zuvorkommend und hilfreich waren. Wilhelm Christian starb leider schon im Jahre 1923, seine Ehefrau im Jahre 1932. Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:
1) Heinrich Christian, geb. 31.1.1893
2) Gustav, geb. 8.1.1895
3) Emma, geb. 6.12.1897

 

Jubiläum - 150 Jahre Gasthaus Christian - Fortsetzung

Der Sohn Gustav übernahm nach seiner Heirat mit Lina geb. Heuzeroth aus Marzhausen das elterliche Anwesen mit der Gastwirtschaft in der 3. Generation namens Christian. Er erbaute an der Ostseite des Gasthauses einen großen Saal mit Bühne, da durch die rege Vereinstätigkeit das Gasthaus räumlich den Anforderungen des gesellschaftlichen Lebens nicht mehr gerecht wurde. Die Gaststätte erfreute sich unter Gustav eines denkbar guten Rufes, wurde allzeit geachtet und gerne aufgesucht. Gustav erlernte in früher Jugend das Klavierspiel, das er auch sehr gut beherrschte. Sein Lokal wurde zum Vereinslokal des Männergesangvereines und später auch des Frauenchores. Gustav war Vizedirigent und fast 60 Jahre aktiver Sänger. Er starb im Jahre 1971.

Es kann gesagt werden, dass die Eheleute Gustav Christian jederzeit dem guten Ruf des Gasthauses in allen Dingen vollauf gerecht wurden. Es soll noch erwähnt werden, dass das Ökonomiegebäude des Anwesens durch einen Brand im Jahre 1962 zerstört wurde. Es wurde aber unverzüglich wieder aufgebaut.

 

Aus der Ehe Gustav und Lina geb. Heuzeroth gingen folgende Kinder hervor:
1) Willi Christian, geb. am 21.5.1924
2) Heinz geb. 28.4.1928


Gustavs Sohn Willi war Teilnehmer des 2. Weltkrieges und kam bei Kriegsende auf der Halbinsel Hela in russ. Gefangenschaft. Er kehrt erst Anfang 1950 ins Elternhaus zurück – als letzter Heimkehrer unsere Gemeinde.
Willi heiratet im Jahre 1953 Margarete geb. Schneider – aus dem Hause Albert Schneider im Oberdorf ( Haus Bergs )

Sohn Heinz wurde gegen Ende des Krieges noch kurzfristig eingezogen. Er hatte aber das Glück, zeitig nach Hause entlassen zu werden. Er übernahm nach seiner Verheiratung mit Luise geb. Schneider aus dem Hause Otto Schneider ( Krupps Haus im Oberdorf ) das elterliche Anwesen mit dem Gastwirtschaftsbetrieb damit in der 4. Generation namens Christian.


Nach umfassender Modernisierung, neuen Zimmer, neuen Toilettenräumen usw. errichtete er auch eine neue Bundeskegelbahn, die sich eines guten Zuspruchs erfreut. Dem Vater folgend hat Heinz auch das Klavierspiel erlernt und ist in seinem Spielen sehr geschätzt.
Die jungen Eheleute Heinz und seine Frau Luise nehmen den Betrieb ihres Gasthauses ernst und gewissenhaft. Der Erfolg blieb nicht aus. Luisens Küche, verstärkt durch die tatkräftige Hilfe von Else Schneider, ist inzwischen sehr bekannt geworden. Täglich hat das Haus seine Gäste. Heinz versteht es auch seine Besucher zu unterhalten. Gerne haben es unsere Sänger, wenn Heinz sich ans Klavier setzt und die alten vertrauten Liede zu Gehör bringt. Und singend gibt es dann manchmal recht ausgedehnte Gesangstunden, zur Freude aller Teilnehmer. Das war auch so recht nach dem Sinne seines Vaters Gustav. Wolle diese Bereitschaft zur Geselligkeit dem Heinz noch recht lange eigen sein – zum Wohle des Hauses und zur Freude seiner Gäste.
Der Schreiber dieser Zeilen wünscht dem Hause Christian, seinen derzeitigen wie auch den kommenden Inhabern eine gesunde und auch beruflich erfolgreiche Zukunft."

 

Euer Nachbar Ernst Schmidt

 

 

Hier enden die persönlichen Aufzeichnungen von Ernst Schmidt in Sachen Gasthaus Christian aus dem Jahr 1976.

 

Jubiläum - 150 Jahre Gasthaus Christian - Fortsetzung

Wir schreiben heute das Jahr 2011 - und von 1976 bis heute hat sich viel geändert. Hier sind die weiteren wichtigen Daten der Heims - Ära!


Die Eheleute Heinz und Luise Christian haben folgende Kinder.
1. Ingrid Christian, geb. 1954 – verh. mit Otmar Henn aus Bellingen.
Deren Kinder sind:

Marco, geb. 1975, verh. mit Nadja, geb. 1977

und Andre, geb. 1980, verh. mit Steffi, geb. 1980, Kind: Leonie, geb. 2011

 

2. Gerhard geb. 1961, verheiratet mit Birgit, geb. 1961, aus Geseke

Kinder: Frederik, geb. 1988 und Isabel, geb. 1991

 

Heinz starb plötzlich und viel zu früh 2000 im Alter von 72 Jahren.

 

Nun übernahmen Ingrid und Ottmar Henn das Gasthaus in Familienbesitz und führten es im Sinne der alten Generationen weiter in bekanntem und freundlichem Umgang mit ihren Gästen.

 

Luise starb ebenfalls plötzlich im Jahr 2010 im Alter von 78 Jahren.

 

Im Jahr 2011 wird ein tolles Jubiläum gefeiert. Das Gasthaus Christian besteht seit 150 Jahren - und ist der Tradition folgend im Familienbesitz.

Dazu gratulieren alle "Heims" - Kenner und freuen sich mit ihnen.

 

Heims-Chronik Teil 4

Erinnerungen von Klaus Freund

 

Im Dezember 2016 erhielt ich unerwartet eine Nachricht von Klaus Freund, einem damals 1959 4-jährigen Jungen, der mit seinen Eltern bei Heims als "Kurgast" weilte.

Seine Schilderungen versetzen uns wieder in diese Zeit, die vor allem für Kinder eine unbeschwerte Vergangenheit war. Hier sind seine sehr interessanten Berichte - ich habe seine Worte ungekürzt veröffentlicht!

 

Vielen Dank, Herr Freund, für diese Bereicherung unserer Homepage!

Gruß Rainer Thiel

 

Fotos aus dieser Zeit stammen von Klaus Freund, dazu eine Ansicht mit Ernst Schmidt in der Dorfmitte bei Heims mit dem Wiegehäuschen, daneben das Feuerwehrgerätehaus sowie die Litfaßsäule mit Milchbock. Im Hintergrund das kleine Haus, das später abgerissen wurde.

Die einzelnen Berichte sind als PDF-Datei gespeichert und mit einfachem Mausklick zu öffnen!

 

Fotos: Klaus Freund

 

 

Bitte unten aufgeführte PDF-Dateien zum Öffnen und Lesen anklicken!