Die Pulvermühle und Pulverfabrik Farrenau

Hier möchte ich, wie bei anderen Einführungen auch, keine detaillierte Beschreibung der Pulverfabrik wiedergeben, sondern nur einen Streifzug zur chronologischen Aufzählung geben. Detaillierte Ausführungen siehe Dorfchronik von Markus Müller.

Eine Rarität war diese Pulvermühle Farrenau schon, da zu dieser Zeit um 1823 nur 3 Pulvermühlen im ganzen Herzogtum Nassau bestanden.
Bereits 1794 wurde auf der Farrenau Pulver gemahlen. Diese Mühlen lagen aus Sicherheitsgründen meist abseits von Ortschaften, so dass diese Ortschaften als "explosionsgeschützt" zu bezeichnen waren, so auch Mudenbach. Die zweite Mühle entstand 1849 - trotz Widerstand in der Bevölkerung. Die folgenden schweren Unglücke sollten ihnen Recht geben.
Eine Explosion erfolgte 1860 mit 4 Toten, die nächste dann im Jahr 1866, jedoch ohne Verlust an Menschenleben. Eine weitere Explosion ereignete sich dann bereits 1875, wobei ein Arbeiter getötet und zwei schwer verletzt wurden.

Im Jahr 1876 übernehmen die Rheinisch-Westfälischen Pulverfabriken AG zu Cöln den Betrieb vom alten Besitzer, den Gebr. Ritter aus Hamm/Sieg.
Das Werk wurde nun ständig modernisiert und erweitert, so dass selbst internationale Lieferungen im Auftragsbuch standen. Meist wurde mit Pferdefuhrwerken transportiert.

Wieder schlug das Schicksal zu. Im Jahr 1887 erschütterte eine schwere Explosion Mudenbach und Borod. Diesmal sterben 5 Arbeiter, über Verletzte liegen keine Angaben vor. Gebäude- und Maschinenteile wurden über 100 m weit geschleudert - es muss fürchterlich ausgesehen haben.

Im Jahr 1898 wurde das Werk abermals modernisiert.
Aber schon im 1901 ereilte es wieder ein schweres Unglück. Am 3. Mai kurz nach 7 Uhr waren wieder zwei gewaltige Explosionen im Ort zu vernehmen. Drei Mitarbeiter fanden den Tod, einer wurde schwer verletzt. Dazu wird auch ausführlich in der alten Schulchronik sowie in der neuen Dorfchronik Stellung genommen.

Wiederaufbaupläne scheiterten u. a. an baupolizeilichen Verordnungen sowie durch die Einstellung der Verwendung von Schwarzpulver beim Sprengen in Bergwerken.
Das Werk wurde im Jahr 1902 geschlossen, wodurch 16 Arbeitnehmer aus Mudenbach arbeitslos wurden.

Die Pulverfabrik Farrenau forderte während ihres Bestehens somit 13 Tote und mindestens 15 Schwerverletzte.

www.mudenbach.de - Rainer Thiel

 

 

Strom von der Farrenau

An gleicher Stelle der Pulverfabrik entsteht nach einigen Um- und Neubauten ein kleines Kraftwerk als Stromlieferant auf der Farrenau. Neben Mudenbach und Hanwerth sollten die umliegenden Ortschaften ebenfalls mit Storm von der Farrenau versorgt werden.
Anfang 1921 ging die Anlage ans Netz. Die Leistung war jedoch sehr gering und erwies sich als völlig ungeeignet. Bereits 1923 wurde Mudenbach schon mit Strom aus Hachenburg unterstützt.

Das E-Werk Farrenau als Mudenbacher Stromlieferant fand daher bereits 1928 sein Ende. Es setzte seine Arbeit jedoch fort und liefert auch heute noch seinen Teil ins Kevag-Stromnetz.

Turbinenfabrik Schmale, Farrenau

Das ehemalige Kraftwerk wurde 1943 von Familie Schmale aus Düsseldorf gekauft, die auf dem Gelände eine Turbinenfabrik errichtete, welche 1951 erweitert wurde.
In der wirtschaftlich besten Zeit beschäftigte die Turbinenfabrik Schmale 20 Arbeitnehmer, bis sie im Jahr 1966 geschlossen wurde.

Als "sauberer" Stromlieferant besteht die Turbinen-Anlage jedoch heute noch und speist ihren erzeugten Öko-Strom ins Kevag-Netz ein. Der Antrieb erfolgt durch einen Abzweig der Wied, der beim Weiher an der Hammermühle beginnt und zur Farrenau führt und dort oberhalb der ehemaligen Fabrik Schmale entlangläuft und dann der Turbine zur Stromerzeugung zugeführt wird.

Dieses Zeitgeschehen um die Pulverfabrik Farrenau ist ebenfalls detailliert in der Dorfchronik von Mudenbach zu nachzulesen, ebenso wie in der Schulchronik, wo die Eintragungen über die Explosionen sozusagen "live" wiedergegeben werden.