Dem Glockner auf der Spur - Mädelstour 2009

Nach dem professionellen und lebensgefährlichen Bergsteigerlebnis von Hans-Artur Schütz ist es natürlich nicht einfach, diesen zu toppen. Aber das ist auch nicht erforderlich. Die Freude des Bergsteigens und dies anderen mitzuteilen, das soll hier im Vordergrund stehen. Ramona Bender und Co. haben bewiesen, dass sie über ihre eigenen Grenzen gegangen sind und haben die sich daran anschließenden schöne Momente und Gefühle des Glücks und der Freude kennengelernt und genossen.


Hier der Bericht von Ramona Haas (Bender) zum Besteigen des Groß Glockner.

Bei den Planungen der Tour ´09 stellte sich uns die Frage: "Wie sollten wir das Erlebnis Rötspitze 2008 noch toppen?" Aber Simone hatte schnell entschieden: Dieses Jahr machen wir den Glockner!!!
Gesagt, getan. Das Auto voll bepackt ging es am Morgen des 03. August 2009 wieder ab in die zweite Heimat.
Schon am nächsten Tag stand der Weg über die Glorer Hütte (2642m) und anschließend über den Johann-Stüdl-Höhenweg zur Stüdlhütte (2800m), unserem Nachtquartier und Ausgangspunkt für die bevorstehende Tour, auf dem Programm.
Einige biologische Schlaftabletten (Marillenschnapserl) später hieß es für uns ohne Hüttenzauber ab ins Bett, denn der Wecker sollte uns gegen halb fünf wieder aus dem Schlaf reißen.
Nach dem Bergsteigerfrühstück mit gutem Rotkäppchensekt liefen wir dem Sonnenaufgang und dem Großglockner entgegen. Wo es tags zuvor noch trüb und neblig war, hatte sich in der Nacht der Grauschleier gelichtet und der Großglockner zeigte sich von seiner besten Seite. Die ersten Sonnenstrahlen setzten die imposante Bergwelt in ein wunderbares Licht. Wer bei solch einem wunderschönen Anblick nicht ins Schwärmen gerät, dessen Herz ist aus Stein!
Der Normalweg führte uns nach ca. 1,5 Stunden Gehzeit über Stein und Gletscher schließlich zum Einstieg in den Fels, über den man nach 45 Minuten Kletterei Österreichs höchste Schutzhütte, die Adlersruh auf 3454m erreicht.
Von dort scheint der Gipfel beinahe zum Greifen nah und das Gipfelkreuz nur einen Katzensprung entfernt. Doch der Schein trügt. Die restlichen Höhenmeter sind fast nur noch durch Felskletterei und einem Zick-Zack-Kurs über das steile Glocknerleitl zu überwinden.
Angegurtet und mit Steigeisen bewaffnet stiegen wir nach kurzer Rast dem Gipfel entgegen. Der luftige Kurs in die Höhe verlangte am Fels volle Konzentration. Wir alle waren hellwach und angespannt, randvoll mit Adrenalin. Zuerst musste der Kleinglockner überwunden werden. Die letzte Hürde vorm Gipfel ist ein 17 m tiefer Abstieg in die Glocknerscharte mit anschließendem, 35m langem, steilen Anstieg auf Österreichs höchsten Berg (3798 m).
Doch dann war es soweit, wir hatten den Glockner bezwungen. Fast 4000m hoch, erscheinen alle Probleme und Sorgen für einen kurzen Moment unendlich weit entfernt. „Berg Heil Mädels, super gemacht!“ ruft unser Bergführer Lois, der Hahn im Korb, der stolz seine Mädels lobt, Gipfelbussis verteilt und für seine vier Westerwälder Alpinkatzen neidische Blicke männlicher Bergsteiger erntet. Lois jedoch fühlt sich immer sichtlich wohl in seiner Haut, wenn er mit uns unterwegs ist. Dieser Bergführer ist eben mit allen Gletscherwassern gewaschen..!
Nach kurzer Gipfelrast müssen wir den Abstieg antreten. Der Glockner ist sehr beliebt und wird ca. 5000 Mal pro Jahr bestiegen. Der Großteil davon scheint an diesem Tag unterwegs zu sein. Wohl ist uns nicht bei der Sache, aber wir haben keine Zeit zum Nachdenken. Kopf ausschalten und weiter geht’s. Lois treibt uns an. Wir überholen links, wir überholen rechts und machen frische Spuren in noch unberührten Schnee. Doris an der Spitze, gefolgt von Simone, Ramona und Christel. Lois am oberen Seilende gibt gekonnte Instruktionen und so erreichen wir sicher wieder die Adlersruh, wo Suppe und heißer Tee schon auf uns warten.
Den restlichen Abstieg, zurück zur Stüdlhütte über den Klettersteig und die 2000 Höhenmeter von dort aus ins Tal liefen wir wie beflügelt. Erst zu diesem Zeitpunkt wurden wir uns unserer körperlichen Gebrechen bewusst. Blasen, Beulen, Schmerzen, auch dieses Jahr konnten wir einiges an körperlichen Erinnerungen mit nach Hause nehmen.
Diese 5 Tage vergingen mal wieder viel zu schnell. Auch wenn es nicht den Anschein macht, diese Tage sind wahrhaft erholsam. Wir freuen uns zwar immer auf zuhause, weil es dort ja bekanntlich am schönsten ist, aber lasst euch gesagt sein: Man braucht von Zeit zu Zeit einen neuen Standpunkt, damit man die Welt wieder neu sieht!

Bericht und Fotos: vier Gipfelstürmerinnen