Werner Eckenbach - eine Sportlerlaufbahn

Eine nur von einem Teil der Mudenbacher Bürger beachtete Sportlerlaufbahn hatte Werner Eckenbach. Seine Erfolge auf dem Rennrad gingen ein wenig unter im Volkssport Fussball und Leichtathletik. In den diesen Jahren jedoch sammtelte er durch seinen Trainigsfleiß, sein Talent als Bergfahrer und die Freude an diesem Sport, beachtliche Erfolge.
Hier möchte ich seine sportliche Laufbahn Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre nach seinen Angaben und seinen Fotos darstellen.
Unter Horst Dressel hatte die Leichtathletik ab Mitte der 50er Jahre im vorigen Jahrhundert in Mudenbach einen hohen Stellenwert (siehe dazu auch den Bericht der Sportlerlaufbahn von Helmut Noll). Auch Werner Eckenbach hatte bei diesen Wettkämpen in Mudenbach und bei Bundesjugendspielen Erfolge zu verzeichnen.
Doch als im Jahr 1961 die Deutschlandrundfahrt der Berufsradfahrer durch Altenkirchen führte, war dies die Sportart für seine Zukunft. Bei Fahrrad-Müller in Altenkirchen legte er sich eine Rabeneigh Rennmaschine für einen stolzen Preis von 520 DM zu (...das entsprach etwa einem monatlichen Durchschnittsverdienst). Die nächsten Monate trainierte er bei jeder Wetterlage.
Die Radsportlaufbahn begann dann 1963 als Jugendfahrer beim RV Elz. 1965 wechselte er zum RV Siegburg.
Von 1963 bis 1971 nahm er an 104 Amateurrennen teil. Dies waren überwiegend Straßen und Rundstreckenrennen. So zum Beispiel die Klassiker Rund um Köln, Frankfurt, Wiesbaden, Nassau, Dortmund, Köln-Schuld-Frechen, die Tecklenburg Rundfahrt und die Oberbergische Rundfahrt. Manchmal gab es auch zwei, selten drei Rennen an einem Tag - und das an verschiedenen Orten.
In diesen Jahren fuhr er 12 Platzierungen unter den Top-Ten heraus, plus zwei Siege bei Rundstreckenrennen. In den Jahren 1965/1967/1968 gewann er jeweils die Vereinsmeisterschaft vom RV Siegburg.
1967 wurde er Bezirksmeister von Bonn und Siegkreismeister.
Herauszuheben sind zudem die Teilnahme an vier Deutschen Bergmeisterschaften mit Platzierungen im vorderen Mittelfeld.

1966/67/68 BDR Trainingslager an der Costa Brava in Spanien. Platz fünf bei der offenen vom Trainingslager ausgerichteten Bergmeisterschaft in Tossa de Mar. Ausserdem Platz 12 beim großen Pyrenäen Straßenrennen über 120 km.
Beim Abstecher 1970 in den Querfeldein-Radrennsport fuhr er zwei Rennen zusammen mit den Profis. Am Start waren unter anderem erfolgreiche Rennfahrer wie Weltmeister Rolf Wolfshohl (zu dieser Zeit trainierte Wolfshohl den RV Siegburg im Querfeldeinsport), de Flaming und Klaus-Peter Thaler. Beide Rennen beendete Werner im Hauptfeld.
Sein letztes Rennen im August 1971 war dann der große Preis von Nassau. Dort platzierte er sich unter den ersten 20. Dies war als Abschluß seiner aktiven Laufbahn eine sehr gute Leistung, weil bei diesem schweren Rennen nur 27 Fahrer ins Ziel kamen.
Während seiner aktiven Zeit auf dem Rad hat Werner Eckenbach mit Renn- und Trainigskilometer rund 90 000 km auf dem Rad zurückgelegt.
Die Radsportlaufbahn hätte ab 1967 sicher eine andere Richtung genommen. Es lag ein Angebot im Trainingslager in Spanien vom Ruberg-Team (Fa. Ruberg-Ketten) vor. Die Sportgruppe suchte Nachwuchsfahrer und hatte großes Interesse an ihm als einem guten Bergfahrer. Seine Mutter war damit aber nicht einverstanden und hatte schlaflose Nächte.
Die Absage erfolgte dann schweren Herzens, rückte aber das Familienleben und die Gesundheit der Mutter wieder zurecht.
Auch ein Einzelsportler braucht seine treue Gefährten.
In den 60er Jahren waren dies für Werner die beiden Mudenbacher  Fritz Wendt und sein schon Sohn Klaus. Fritz zeigte großes Interesse am Radsport und stellte oft seinen eigenen PKW bei Straßenrennen als Begleitfahrzeug zur Verfügung. Seine Tochter Marliese, die mit ihrem Mann im Oberbergischen lebt, ist heute noch im Kölner Raum bei Radveranstaltungen anzutreffen.
Fritz und Klaus waren so radsportverrückt, dass sie zum Beispiel bei einer längeren Trainingsfahrt, die durchs Bergische Land führte, über fünf Stunden im eigenen PKW hinterher fuhren und den Zorn der Autofahrer in Kauf nahmen.
Natürlich gab es auch negative Erlebnisse. Es gab zu jeder Zeit Stürze, die aber zum Glück alle ohne Knochenbrüche verliefen.
So zum Beispiel ging es in Bellheim dramatisch zu. 25 km vor dem Ziel, in einer acht Fahrer starken Spitzengruppe, wurde durch seinen Fahrfehler fast die komplette Gruppe zerlegt und stürzte. Einige Fahrer mussten das Rennen mit Prellungen und Hautabschürfungen aufgeben. Die Begleitfahrzeuge mussten Werner dann vor den gestürzten und aufgebrachten Fahrern dieser Spitzengruppe schützen.
Oder in Elz, als Zuschauer in der letzten Runde auf der Zielgeraden zu weit nach vorne gingen und einen Massensturz verursachten. Starke Schulterprellungen und Hautabschürfungen zwangen ihn zu einer Trainigspause von zwei Wochen.
Bei „Rund um Köln“ musste Werner Eckenbach zwei km vor dem Ziel, abermals verletzt durch einen Massensturz, aufgeben. Der Materialschaden war hoch, viele Teile mussten neu gekauft werden – und das alles aus eigener Tasche.
Pech hatte er auch bei einem Rundstreckenrennen in Ahrweiler, wo in der ersten Runde durch einen Schaltungsfehler die Kette absprang und das Durchtreten ohne Widerstand einen Sturz verursachte. Mit Prellungen und leichten Kopfverletzungen hatte wenigstens der Sturzring seine Berechtigung und schlimmeres verhindert.
Ein weiterer Sturz passierte im spanischen Trainingslager. In den Bergen schätzte Werner bei einer Abfahrt eine Kurve falsch ein. Das anschließende Rutschen über die Straße wurde kurz vor einem Abhang gestoppt. Mit Hautabschürfungen und Prellungen und einer Ersatzmaschine wurden die restlichen Tage im Trainingslager zurückgelegt. Die Verletzungen begleiteten ihn noch auf dem Weg nach Deutschland.
Es gab auch zwei Rennen, die er hätte gewinnen, aber durch viel Pech nicht beenden konnte.
So zum Beispiel in Radevormwald, als er sich in der letzten Runde leicht absetzen konnte, um dann ca. 500 m vor dem Ziel durch einen Reifenplatzer auszuscheiden.
Oder in Rot bei Heidelberg bei einem Criterium, bei dem die Punktwertung über Sieg und Niederlage entscheidet. In einer fünf Fahrer starken Spitzengruppe fehlten ihm ca. 100 m, um das Hauptfeld zu überrunden. Dann ging laut Regel der Rundengewinn vor Punktgewinn. Er hätte wohl gewonnen, da er die meisten Punkte in der Gruppe gesammelt hatte. Das alles gehört aber wohl zu einer Sportlerlaufbahn dazu.
Dann gab es noch den Klassiker Rund um Wiesbaden, wo das Zielgericht ihn in der Spitzengruppe komplett übersehen hatte. Als sieben Fahrer kurz vor dem Ziel sich leicht absetzten konnten, bei dem Versuch zu gewinnen der Spurt zu früh angesetzt wurde und er auf der Ziellinie das Rennen knapp verlor. Doch das Zielgericht hatte ihn völlig übersehen und setzte ihn auf den 12. Platz im Hauptfeld.
Viele lustige Anekdoten gab es aber auch. Hier ist eine davon:

Bei der ersten Bergmeisterschaft in Littfeld 1965 wurden viele Fahrer vom Veranstalter in Privathaushalte zur Übernachtung einquartiert. Mit Schrecken wurde dann festgestellt, dass der Hausherr im selben Zimmer sein Bett bezog, um dann schnarchend die halbe Nacht versuchte, ein Waldstück abzusägen. An Schlaf war nicht mehr zu denken. Entsprechend war dann die Leistung an nächsten Tag.

Trainiert für die Deutschen Bergmeisterschaften wurde überwiegend am Auen Berg (am Hundsgalgen) von Borod nach Mudenbach. Die ca. einen Kilometer lange Steigung wurde dann oft 3 bis 4 mal hintereinander mit Zeitnahme gefahren. Klaus Wendt beteiligte sich dabei meist als Fan und Antreiber mit der Stoppuhr in der Hand.
Die beste Zeit wurde gemessen mit 2:24 min (!!!) von der Brücke bis zum Dorfeingangsschild am Sportplatz in Mudenbach. Diese Topzeiten fuhr Werner 1967, und zwar ausschließlich im Wiegetritt.

Wir kennen ja alle diese Steigung und können aus dieser Zeitnahme erkennen, welches Talent und wieviel Training dazu nötig ist, um dort in knapp 2 ½ Minuten hinauf zu fahren.


In den Jahren 1965-70 wurden die Rennrahmen von Ru-Fa Sport in Köln gefahren. Rudolf Fauss baute Rahmen nach Maß. Sie wurden aus Reynoldsrohr gefertigt, gehörten zwar nicht zu den Leichtgewichten, waren aber sehr robust und verwindungssteif – alles in allem aber kaum noch zu vergleichen mit den heutigen Hightec-Rennmaschinen.

Im Anschluß möchte ich seine Rennutensilien aus den 70er Jahren zeigen. Aus dem Befestigungen Schuh – Pedale kam man früher nicht so leicht raus, wie heute, wo eine leichte Fußdrehung den Schuh von der Pedale löst. Dadurch gab es wohl auch früher häufiger Stürze.


Heute fährt Werner zwar mit viel Freude aber nur noch als Ausgleich und dies auf verkehrsarmen Straßen, da unsere Landes- und Bundesstraßen für Radfahrer lebensgefährlich sind.

Nachsatz: (nachgetragen am 19.04.2010)
Beim Versuch, einen der "alten" Radsportfreunde zu finden, hat Werner Erfolg gehabt.
Übers Internet fand er seinen Trainingspartner Rolf Schütte, der mit ihm zu sehen ist auf dem Foto 008 von 1967 in den Bergen Spaniens. Dieser Rolf Schütte hat mittlerweile sein 2. Wohnsitz ist in Süd Frankreich.
Dort trainiert er im Herbst und im Frühjahr und kommt erst im April/Mai wieder nach Deutschland. Er ist jetzt 67 Jahre und fährt noch Rennen bei den Senioren mit. 2006 wurde er Landesmeister im Bergzeitfahren. Sein nächster Plan ist in diesem Jahr die Weltmeisterschaft in St. Johann.
Eine Traurige Nachricht war dann noch das der dritte Trainingspartner  vom Trainingslager Friedel Varenkamp vor 2 Jahren mit 63 Jahren verstorben war.
Sollten noch weitere interessante Fotos im Fundus von Rolf Schütte sien, so werden diese nachgereicht!


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